Argumente gegen die Jagd

Jäger stellen nur 0,3 % der Bevölkerung, und trotzdem beherrschen sie fast unsere gesamte Natur. Die weit mehr als 300.000 Jäger (und die meisten sind Männer, nur 0,2 % der Jäger sind Frauen) durchstreifen schwerbewaffnet unsere Wälder oder sitzen im Hinterhalt auf Hochsitzen, die zu hunderten die Landschaft verschandeln, um die wehrlosen Tiere abzuschießen. Mindestens sechs Millionen Tiere metzeln die Grünröcke jedes Jahr in Deutschland nieder, hinzu kommen die von Jägern erschossenen Haustiere wie Hunde und Katzen.

Die Öffentlichkeit belügen die Jäger seit Jahrzehnten und stellen sich gerne als “Heger” dar, die die Aufgabe der Raubtiere übernehmen und die Tierpopulationen regulieren müssten. Dass es die Jäger selbst waren, die sich an diese Stelle geschossen haben, die Wölfe, Luchse, Bären usw. ausgerottet haben, die Füchse gnadenlos verfolgen und nicht davor zurückschrecken, geschützte und vom Aussterben bedrohte Tiere, z. B. Greifvögel, zu erschießen, das verschweigen sie lieber. Vehement wehren sich die Jäger gegen die Wiederansiedlung dieser Tierarten. Hinzu kommt, dass die Unmengen von Bleimunition, die die Jäger verschießen, die Umwelt stark belasten.

Wenn Jäger in der Natur aktiv werden, tun sie es nie uneigennützig. Sie schaffen Futterplätze für das Wild, oft genug in Sichtweite zu Hochsitzen. Mit Getreide wird das Wild angelockt. Nicht selten sind dem Futter Medikamente und Hormone beigemischt – für eine prächtigere Trophäe. Fasane werden in Volieren gezüchtet und kurz vor einer Jagd im Wald ausgesetzt. Jäger handeln nach dem Motto: Die eine Hand füttert, die andere Hand tötet. Dabei ist die Jägersprache durchaus verräterisch: So wird ein Tier nicht ermordet, sondern “zur Strecke gebracht” oder “geerntet”. Das Blut nennen sie “Schweiß”. Geht ein Jäger mit seinem Hund ins Revier, ist er auf “Besuch”. Und mit “Lüften” verherrlichen die Jäger das Aufschneiden der Bauchdecke eines Schalenwildes. Ein ökologisches Verbre-chen, ein blutiges Hobby wird so mystifiziert und verharmlost. Ganz Deutschland ist schon ein Schießstand – aber der Platz reicht noch lange nicht. Finanzkräftige Jäger führen ihren Krieg gegen die Tiere gern in fremden Ländern weiter. Angebote für Reisen mit Abschussgarantie auf Elefanten, Leoparden usw. finden sich in jeder Jagdzeitschrift. Die Jagd hat nichts mit Tier- und Naturschutz zu tun, sondern mit der Lust am Töten. Deshalb muss die Jagd endlich abgeschafft werden!

Behauptung 1: Ohne Jagd würden Wildtiere überhand nehmen

Falsch. Wie in vielen biologischen Untersuchungen nachgewiesen werden konnte, regeln sich die Bestände wildlebender Tiere durch soziale Mechanismen und Nahrungsangebot selbständig. Bei Füch-sen beispielsweise bekommt in jagdfreien Gebieten nur ein kleiner Teil der Füchsinnen Nachwuchs, um die Populationsdichte nicht unnötig ansteigen zu lassen. “Geburtenkontrolle statt Massenelend” nannten namhafte Forscher dieses Phänomen. Wo Füchse jedoch gnadenlos verfolgt werden, steigt die Anzahl trächtiger Füchsinnen drastisch an, wodurch die Verluste rasch wieder ausgeglichen wer-den. Wenn man einen Blick auf jagdfreie Gebiete wirft, wird man rasch feststellen, dass die Tierpopulationen dort keineswegs im Ungleichgewicht sind. Im Gegenteil: Die Populationen dort sind sehr viel stabiler, die Artenvielfalt größer als in Arealen, in denen gejagt wird.

Behauptung 2: Jagd schützt die Bevölkerung vor Tollwut und anderen Wildkrankheiten:

Falsch. Genau das Gegenteil ist der Fall – so führt Jagd beispielsweise zu einer beschleunigten Ausbreitung der Tollwut. Jagd kann die Gesamtzahl an Füchsen nicht reduzieren (s. o.), die steigende Geburtenrate führt jedoch zu einer höheren Zahl an Jungfüchsen. Diese Jungfüchse wandern im Herbst aus dem elterlichen Revier ab, um sich ein eigenes Zuhause zu suchen – und begegnen auf ihren langen Wanderungen vielen Artgenossen, was sie zu idealen Tollwutüberträgern macht. Je mehr Füchse man tötet, desto rascher breitet sich daher die Tollwut aus. Dass die Schweinepest von Wild-schweinen auf Haustiere übertragen wird, ist als Gerücht zu werten. Vielmehr tragen Jäger, die (unerlaubterweise) Schlachtabfälle zum Anlocken von Beutegreifern verwenden, dazu bei, dass Seuchen von Hausschweinen in die freie Wildbahn getragen werden.

Behauptung 3: Die jagdliche Hege ist ein Beitrag zum Tier- und Naturschutz:

Falsch. Die jagdliche Hege dient in erster Linie dem Ziel, eine möglichst große Anzahl möglichst prächtiger Tiere zum Abschuss zur Verfügung zu haben. Darunter haben zunächst einmal alle Lebewesen zu leiden, die diesem Ziel zuwiderlaufen – Beutekonkurrenten wie Fuchs und Marder etwa, die im Rahmen der “Hege mit Flinte und Falle” erbarmungslos verfolgt werden. Als Beitrag zum Naturschutz kann das schwerlich gewertet werden. Darüber hinaus werden im Rahmen sogenannter “Biotopverbesserungen” die Lebensbedingungen in Feld und Flur gezielt zugunsten jagdbarer Arten verändert. Tiere, die nicht gejagt werden dürfen und damit für den Jäger nicht interessant sind, werden dabei teilweise oder vollkommen verdrängt. Manche Tierarten – wie etwa Rehe oder Wildschweine – werden von Jägern gezielt gefüttert. Dadurch werden natürlich einerseits die Abschusschancen maximiert, andererseits aber auch künstlich überhöhte Wilddichten geschaffen. Die resultierenden Schäden in der Forst- und Landwirtschaft werden dann allzu oft zum Anlass genommen, nach höheren Abschusszahlen für das sogenannte Schalenwild zu rufen.

Behauptung 4: Jagd ist erforderlich, um Schäden in der Land- und Forstwirtschaft zu vermeiden:

Falsch. Durch die massive Fütterung von Rehen, Hirschen und Wildschweinen im Rahmen der jagdlichen Hege tragen die Jäger ja gerade dazu bei, die Populationsdichten dieser Tierarten künstlich auf hohem Niveau zu halten. Hege schafft also die vermeintliche Notwendigkeit der Jagd auf Reh, Hirsch und Wildschwein erst. Abgesehen davon, macht die Jagd die Tiere scheu und zwingt sie in die Deckung des Waldes. Dadurch kommen Rehe und Hirsche, die eigentlich Wiesen- und keine Waldtiere sind, oftmals erst mit den jungen Bäumen, an denen sie Schäl- und Verbissschäden anrichten, in Kontakt. Doch je mehr Schäden entstehen, desto intensiver werden die Rufe nach schärferer Bejagung. Das Zusammenspiel von Jagd und Hege erzeugt damit einen Teufelskreis, unter dem nicht nur Natur und Tiere, sondern auch Land- und Forstwirtschaft zu leiden haben.

Behauptung 5: Jäger schützen bedrohte Tierarten:

Falsch. Selbst Wildtiere wie der Feldhase, die nach Einschätzung führender Wissenschaftler als bestandsbedroht einzustufen sind, werden von der Jägerschaft nach wie vor zu Hunderttausenden er-schossen. Außerdem behaupten Jäger, sie müssten Füchse und andere Beutegreifer mit Flinte und Falle verfolgen, um deren Beutetiere vor dem Aussterben zu bewahren. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Abgesehen davon, dass man so intelligente und anpassungsfähige Tiere wie Füchse mit jagdlichen Mitteln ohnehin nicht dezimieren kann (s.o.), erweisen sie ihren Beutetieren einen wichtigen Dienst. Dadurch, dass sie vor allem schwache und kranke Tiere erbeuten, halten sie beispielsweise Hasenbestände fit und gesund. Darüber hinaus setzen Jäger faunenfremde Tiere wie Fasane zu Jagdzwecken aus. Diese Arten stellen eine nur bedingt kalkulierbare Bedrohung für die einheimische Fauna dar – mancherorts wurde etwa das bestandsbedrohte Birkhuhn durch den Fasan verdrängt. Zu guter Letzt darf man nicht vergessen, dass die Jagd selbst häufig nicht selektiv ist – Fallen beispielsweise töten wahllos, egal, ob es sich bei dem Opfer um einen Marder, ein Eichhörnchen oder eine Hauskatze handelt, und auch bei der Jagd mit dem Gewehr ist nicht immer klar, wer oder was das Opfer ist. Wie sonst wären die zahlreichen Jagdunfälle (“Jäger verwechselt Treiber mit Wildschwein”) und versehentlichen Abschüsse von Haus- und Weidetieren zu erklären?

Behauptung 6: Jagd ist ein erhaltenswertes Kulturgut:

Falsch. Jagd hat ohne jeden Zweifel eine jahrhundertealte Tradition – eine Tradition voller Blutvergießen, Grausamkeit und sinnloser Qual. Mittelalterliche Jagdarten, bei denen beispielsweise Füchse bis zu ihrem qualvollen Tod wieder und wieder in die Luft geschleudert oder Rehe und Hirsche in Massen gefangen und anschließend in abgegrenzten Arenen von adligen Schützen hingerichtet wurden, sind schon vor geraumer Zeit verboten worden. Auch andere traditionsreiche, aber ethisch fragwürdige Praktiken wie Hexenverbrennungen oder Sklaverei wurden längst als anachronistisch erkannt und von der modernen Gesellschaft über Bord geworfen. Wie die Geschichte zeigt, muss mit überkommenen Traditionen manchmal gebrochen werden, wenn sie dem ethisch-moralischen Fortschritt im Weg stehen.

Behauptung 7: Jäger sind tier- und naturliebende Menschen:

Falsch. Jäger wurden sowohl in Europa als auch in den USA schon psychologischen und soziologischen Untersuchungen unterzogen und hinsichtlich verschiedener Aspekte mit Nichtjägern verglichen. Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass Jäger keine höhere Naturverbundenheit aufweisen als Nichtjäger, Themen des Tier-, Umwelt- und Naturschutzes eher negativ gegenüberstehen und allgemein eine höhere Tendenz zu aggressiven Verhaltensweisen zeigen. Die jägerische Tier- und Naturliebe erfreut sich nicht am Dasein des geliebten Objekts; vielmehr zielt sie darauf ab, das geliebte Wesen mit Haut und Haar zu besitzen, und gipfelt darin, es durch den Akt des Tötens zur Beute zu machen. Nirgendwo zeigt sich dies deutlicher als in den Jagderzählungen, die in praktisch jeder Ausgabe der gängigen Jagdzeitschriften zu finden sind.

Behauptung 8: Die “Waidgerechtigkeit” sorgt dafür, dass bei der Jagd alles “fair” zugeht:

Falsch. Die “Waidgerechtigkeit” ist ein ungeschriebenes Gesetz, dessen Inhalt die Jäger unter sich ausmachen. Dadurch, dass dieser Terminus Eingang in die Tierschutzgesetzgebung gefunden hat, ist praktisch alles legal, was noch irgendwie als “waidgerecht” bezeichnet werden kann. Jägern werden damit Verhaltensweisen gestattet, die bei jedem anderen Menschen sofort zu einem Verfahren wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz führen würden. Die weiter unten aufgeführten Jagdarten sind Beispiele dafür. Mit “Gerechtigkeit” hat die “Waidgerechtigkeit” nur wenig zu tun. Während es verpönt ist, das “edle” Hochwild an der Fütterung zu erschießen, hat kein Jäger Skrupel, dasselbe mit dem verhassten Beutekonkurrenten Fuchs zu tun. Bei einer Treibjagd darf allerdings nur der Jäger ein verletztes Tier endgültig töten, der es zuvor auch angeschossen hat – mit dem Resultat, dass so mancher Hase oder Fuchs sich stundenlang blutend in unerträglichen Schmerzen winden muss, bevor man ihn schließlich umbringt. “Gerechtigkeit” also allenfalls für die Jäger, keineswegs jedoch für die Tiere.

Behauptung 9: Der Abschuss freilaufender Haustiere ist zum Schutz von Wildtieren erforderlich:

Falsch. In wildbiologischen Studien tauchen Haustiere als Mortalitätsfaktor für die betreffenden Forschungsobjekte in aller Regel nicht einmal auf; nur ein geradezu lächerlich kleiner Teil der “jagdbaren” Tiere fällt Hunden und Katzen zum Opfer. Dennoch haben Jäger das Recht, im Rahmen des sogenannten Jagdschutzes vermeintlich wildernde Hunde und Katzen zu erschießen – im Falle von Katzen bereits dann, wenn sie sich nur wenige hundert Meter vom nächsten bewohnten Haus befinden. Offensichtlich macht die Jägerschaft davon regen Gebrauch. Zwar werden keine offiziellen Abschusssta-tistiken geführt, doch wird die Anzahl jährlich von Jägern getöteter Haustiere auf 350.000 bis 600.000 Katzen und 30.000 bis 60.000 Hunde geschätzt.

Behauptung 10: Jäger töten angst- und schmerzfrei:

Falsch. Die Jagdzeitschriften sind voll von Berichten über sogenannte Nachsuchen, bei denen Tiere zuerst nur angeschossen und schließlich nach oft stundenlanger Verfolgung getötet werden. Schät-zungen zufolge treffen zwei Drittel aller jagdlichen Projektile ihr Ziel, ohne es zu töten! Praktisch alle Jagdarten sind grausam. Ein besonders übles Beispiel ist etwa die Baujagd: Dabei sollen Füchse mit auf Schärfe abgerichteten Hunden aus ihrem Bau vor die Flinten wartender Jäger gehetzt werden. Jungfüchse werden in Gegenwart ihrer entsetzten Eltern vom Jagdhund zerfleischt; manche Füchse lassen sich in ihrer Verzweiflung auf Kämpfe mit dem Hund ein, was nicht selten zum Tod beider führt. Im Hinblick auf die Jagd mit angeblich “sofort tötenden” Schlagfallen gibt es Studien, die ausweisen, dass ein Großteil der darin gefangenen Tiere schwer an Pfoten, Schwanz oder Körper verletzt wird und mehr als 20 % der Fallenopfer entkommen mit Laufverstümmelungen.

Nicht zu vergessen sind natürlich auch die allherbstlichen Treibjagden: Voraussetzung für den Erfolg einer Treibjagd ist die panische Angst der gejagten Tiere, um sie zur Flucht aus dem für sie zunächst sicheren Versteck zu bewegen.