Das Ende des Schwarzen Goldes – Woher kommt in 50 Jahren der Sprit fürs Auto?

Leere Autobahnen und geschlossene Tankstellen wegen Benzinmangels. Für einige Wochen war das Anfang der 70er Jahre schon einmal Realität im Westen Deutschlands. Damals hatten die Erdöl fördernden Staaten des Nahen Ostens dem Westen den Hahn zugedreht. Doch die richtige Erdölkrise steht uns erst noch bevor.

Derzeit wird viermal mehr Erdöl verbraucht als Forscher an neuen Quellen entdecken. Täglich werden weltweit etwa elf Millionen Kubikmeter Rohöl gefördert. Nach Berechnungen des Worldwatch-Insti-tutes in Washington dürften die bekannten Erdölreserven etwa 140 Milliarden Tonnen betragen.Beim derzeitigen Verbrauch könnte das noch für rund 40 – 50 Jahre reichen. Sicher ist das allerdings nicht. Sollte China z. B. beim Pro-Kopf-Verbrauch mit den USA gleichziehen, könnten die Reserven viel früher aufgebraucht sein. Schon in 5 bis 10 Jahren könnte mit einer Überschreitung des Fördermaxi-mums und mit Engpässen bei der Welterdölförderung zu rechnen sein. Eine Preiserhöhung wegen Rohstoffverknappung ist deshalb programmiert. Das Hauptproblem ist, dass mit neuen Großfunden kaum zu rechen ist. Die größten Erdölfelder haben die Geologen bereits vor mehr als 40 Jahren entdeckt. Seither geht es darum, mit immer besseren Techniken noch unbekannte Quellen zu finden und die bekannten effektiv zu nutzen. Womit sollen im Jahr 2050 die Flugzeuge fliegen und die Autos fahren, wenn das “Schwarze Gold” immer knapper wird? Wissenschaftler räumen Wasserstoff, Erdgas und Methanol die größten Chancen ein, um die aus Mineralöl hergestellten Kraftstoffe Benzin und Diesel zu ergänzen und auf längere Sicht zu ersetzen. Die Europäische Kommission plant, in 20 Jahren bereits ein Fünftel des Erdöls durch Biokraftstoffe und Erdgas zu ersetzen. Bioethanol, z. B. aus Rapsöl oder Zuckerrohr, gilt insbesondere in Deutschland und Südamerika als ein Hoffnungsträger. Ver-glichen mit den fossilen Rohstoffen ist die Produktion allerdings teuer und erfordert einen hohen Energieaufwand. Experten sagen, dass Biodiesel und synthetische Kraftstoffe mit Benzin und Diesel aus Erdöl konkurrieren können, wenn sie steuerlich begünstigt werden. Ein Hektar Raps liefert etwa 1.600 Liter Biodiesel. Nach Angaben der EU-Kommission ist Biodiesel etwa 0,30 Euro je Liter teurer als normaler Diesel. Der höhere Preis wird in Deutschland durch die Befreiung von der Mineralölsteuer kompensiert. Derzeit wird weniger als 0,5 % des Treibstoffverbrauchs in den Staaten der Europäischen Gemeinschaft durch Biodiesel gedeckt.

Mit mehr Elektroautos auf Europas Straßen ist in den kommenden Jahren höchstwahrscheinlich nicht zu rechnen. Die vom Bundesforschungsministerium Mitte der 90er Jahre unterstützten Versuche auf Deutschlands Sonnenschein-Insel Rügen wurden inzwischen eingestellt. Schwachpunkte sind die Batterien und der Strom selbst, den hauptsächlich Kohle- und Atomkraftwerke liefern. Regenerative Energien, wie Sonne, Wasser und Wind, haben bislang nur einen Anteil von etwa 1 % an der Energieerzeugung in Deutschland. Man erwartet aber, dass sich der Anteil erneuerbarer Energien am Ge-samtverbrauch bis 2020 auf etwa 12 % erhöhen wird. Mit einem vollständigen Ersatz fossiler Energiequellen durch Wind-, Wasser- und Solarkraft ist zunächst nicht zu rechnen. Denkbar ist, dass Brenn-stoffzellen-Fahrzeuge in den kommenden 50 Jahren die Otto- und Dieselmotoren ablösen. Sie gelten als besonders umweltfreundlich, weil sie Wasserstoff zu Wasserdampf und Stickoxiden verbrennen. Doch leider lässt sich Wasserstoff längst nicht so einfach wie Benzin oder Diesel herstellen und in den Tank füllen. Der technische Aufwand ist so groß, dass einige Autohersteller eine alternative Lösung entwickelten. Dabei kommt Methanol zum Einsatz. Es wird im Fahrzeug mit Luft und Wasser gemischt und dann in einen Umwandler geleitet. Der Umwandler erzeugt Wasserstoff, mit dem die Brenn-stoffzelle Strom erzeugt. Ob die Brennstoffzelle wirklich den Weg zur umweltverträglichen Mobilität ebnet, ist unter Fachleuten aber umstritten. Grund ist der relativ hohe Energieaufwand, um aus dem fossilen Energieträger Erdgas das Methanol und daraus dann Wasserstoff zu gewinnen. Ökonomisch sinnvoller ist es, das Erdgas direkt in Verbrennungsmotoren zu nutzen. Der Wasserstoff-Antrieb für Autos und Flugzeuge wird nur dann eine geeignete Alternative zu zu herkömmlichen Kraftstoffen sein, wenn er aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt wird.

Erdöl stammt aus Bakterien und Algen, die vor Millionen Jahren die Ozeane bevölkerten. Als sie abstarben, sanken sie auf den Meeresboden, vermischten sich dort mit Sand, Ton und Kalk zu organi-schen Schlämmen. Durch Verdichtungen dieser Schichten entstand das Erdölmuttergestein und in ihm das flüssige “Schwarze Gold”. Wahrscheinlich ist dieser Bodenschatz einzigartig im ganzen Son-nensystem. Es treibt nicht nur Fahr- und Flugzeuge an, sondern dient auch der Herstellung von Kunststoffen, Kosmetika und sogar von Medikamenten. 120 Milliarden Tonnen Erdöl hat die Menschheit schon verbraucht. Jährlich schmelzen die Vorräte zur Zeit um 3, 5 Milliarden Tonnen. Die geschätzten Erdölreserven betragen noch etwa 140 Milliarden Tonnen. Derzeit deckt Erdöl über ein Drittel des Energiebedarfs der Menschheit.

Nachfolgend der Energieverbrauch des Jahres 2003. Erneuerbare Energien wie Wind, Wasser und Sonne spielen in Deutschland nach wie vor eine geringe Rolle. Gemessen am Vorjahr stieg der Verbrauch der fossilen Brennstoffe Erdgas, Braun- und Steinkohle sogar um 9 % an.

Energieverbrauch 2003:

  • Erdöl 36,4 %
  • Erdgas 22,5 %
  • Steinkohle 13,4 %
  • Kernenergie 12,6 %
  • Braunkohle 11,4 %
  • Sonstiges (Müll, Brennholz, etc.) 2,7 %
  • Wasser, Wind, Sonne 1 %

Quelle: Magdeburger Volksstimme