Genfood? – nein danke    

Argumente gegen Genfood

Gegen die “Grüne Gentechnik”, also den Einsatz gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in Landwirtschaft und Lebensmitteln, gibt es viele gute Gründe:

1. Bisher ist die genaue Wirkung der Mechanismen, mit denen bei Pflanzen und Tieren das Erbgut verändert wird, unklar und z. Tl.  unbekannt. Immer wieder tauchen bei Gen-Pflanzen unerwartete, nicht erklärbare Eigenschaften auf.

2. Unbekannt ist, wie sich freigesetzte GVO langfristig auf die Umwelt auswirken. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass mit dem Austausch von Erbmaterial mit zunehmenden Resistenzen, Superun-kräutern und Artenrückgang zu rechnen ist.

3. Es ist nicht geklärt, wie sich der Verzehr von GVO langfristig auf die menschliche Gesundheit auswirkt. Es gibt bereits allergieauslösende Gen-Pflanzen.

Besonders bedenklich sind Antibiotikaresistenzen, die in fast alle bisher entwickelten Gen-Pflanzen eingebaut wurden. Sie können auf Bakterien übergehen und resistente Keime hervorbringen.

Sind GVO einmal ausgebracht, lassen sie sich nur mit extrem großem Aufwand wieder zurückholen und das auch nicht vollständig.

Die Wahlfreiheit der Verbraucher ist schon bei einem geringen Ausmaß des Genanbaus gefährdet, weil Pollenflug, Verunreinigungen im Saatgut und andere Übertragungswege einen gentechnikfreien Anbau gleichartiger Pflanzen erheblich erschweren oder unmöglich machen.

7. Der Bio-Anbau wird durch die Gen-Pflanzen komplett in Frage gestellt. Werden in Bio-Produkten nur Spuren von Gentechnik weit unterhalb der erlaubten Verunreinigungen gefunden, sind die Produkte nicht mehr “bio”. Denn der Verbraucher erwartet hier Gentechnikfreiheit.

8. Die ab April 2004 geltende neue Kennzeichnungsregelung der EU hat immer noch Lücken. Fleisch, Milch, Käse und Eier von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert wurden, müs-sen nicht gekennzeichnet werden. Ähnliches gilt für Enzyme, Aromen etc., die mit Hilfe gentechnisch manipulierter Mikroorganismen erzeugt wurden. Hier kann der Verbraucher nicht frei entscheiden, da er die Gentechnik nicht erkennen kann.

9. Die behaupteten wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile der grünen Gentechnik konnten bisher nicht belegt werden. Im Gegenteil: Es mehren sich die Berichte von geringeren Erträgen, empfindlicheren Pflanzen und erhöhtem Pestizideinsatz.

Alles völlig harmlos?

Die Grüne Gentechnik sei sicher und ungefährlich, behaupten ihre Befürworter. Dabei sind die wenigsten Risiken gründlich erforscht. Hinweise auf Gefahren gibt es genug.

Artenvielfalt sinkt – Nützlinge sterben

Britische Risikostudien haben gezeigt, dass beim Anbau von herbizidresistenten Gen-Pflanzen die Zahl der Kräuter auf den Feldern drastisch zurückgeht. Auch die Vögel und Insekten, denen sie als Futter dienen, werden deutlich weniger. Als Vergleich dienten konventionell bewirtschaftete Flächen! Versuche in der Schweiz zeigen: Gen-Mais, der das Insektengift “Bt” produziert, tötet damit nicht nur Schädlinge, sondern mindestens genauso stark die nützlichen Insekten wie die Florfliegen, sobald sie sich über die vergifteten Schädlinge hermachen.

Unkräuter werden resistent – mehr Pestizide nötig

In den letzten 3 Jahren ist in den USA der Pestizidverbrauch auf Feldern deutlich gestiegen, auf denen herbizidresistente Gen-Pflanzen wachsen. Die Ursache: Auch die Unkräuter werden zunehmend resistent und müssen nun zusätzlich bekämpft werden. In Kanada breitet sich herbizidresistenter Gen-Raps in andere Felder aus und führt dort zu einem Unkrautproblem. Die Pflanzen sind inzwischen gegen zahlreiche Herbizide resistent und lassen sich kaum noch bekämpfen.

Verunreinigungen noch Jahre danach

Mexiko hat seit 1998 den Anbau von Gen-Mais verboten. Dennoch wurde in alten Maissorten das Erbgut genmanipulierter Maispflanzen festgestellt. Als Ursache gelten verunreinigte Maislieferungen aus den USA und Auskreuzungen von versehentlich ausgesätem Gen-Mais.

500 Mio. Dollar Kosten wegen Allergiegefahr

In den USA wurde die nur als Futtermittel zugelassene Gen-Mais-Sorte StarLink auch in Lebensmitteln gefunden. Beim Menschen kann StarLink Allergien auslösen. Über 500 Millionen Dollar kostete das Einsammeln, Entschädigen und Vernichten der kontaminierten Lebensmittel und des noch vorhandenen Saatgutes. Das war im Jahr 2000. Seither wird StarLink-Mais nicht mehr angebaut. Dennoch fand das US-Landwirtschaftsministerium 2001 in 8,6 % aller Maisproben StarLink-Verunreinigungen. 2003 waren noch 1,2 % der Proben belastet.

Ungeklärter Tod von Rindern – Genkonzern zahlt

Bei einem der wenigen Landwirte Deutschlands, der Gen-Mais anbaute und auch an seine Kühe verfütterte, ist es in den vergangenen Jahren zu ungeklärten Todesfällen im Stall gekommen. Zwölf Tiere starben, weitere mussten geschlachtet werden. Nachdem andere Ursachen wie Infektionen ausgeschlossen werden konnten, sehen der Landwirt und Greenpeace im Gen-Mais die Ursache für das Tier-sterben. Der Saatgutkonzern Syngenta zahlte den Schaden stillschweigend.

Genanbau nicht versicherbar – Risiken zu hoch

Die Konsequenzen aus diesen und anderen Fällen haben die großen Versicherungskonzerne längst gezogen. Sie weigern sich, das Risiko einer transgenen Verunreinigung oder von gesundheitlichen Schäden durch Genfood zu versichern. Sie halten dieses Risiko für unkalkulierbar.

Das Märchen von der Koexistenz

Die friedliche Koexistenz von Anbauern von Gen-Pflanzen und gentechnikfrei wirtschaftenden Landwirten wird es nicht geben, weil sich GVO nicht an Gesetze oder Verordnungen halten. Gen-Pflanzen geben ihr manipuliertes Erbgut weiter wie jede andere Pflanze auch: Mit Hilfe von Blütenstaub, der von Wind und Insekten zu anderen, gentechnikfreien Pflanzen der gleichen oder einer ähnlichen Art ge-tragen wird. Samen von Gen-Pflanzen können über Jahre hinweg im Boden verborgen bleiben, bevor sie keimen. Sie können bei Ernte, Lagerung und Verarbeitung gleichartige, gentechnikfreie Produkte verunreinigen. Bio-Bauern sind von dieser Entwicklung besonders betroffen, denn sie müssen gentechnikfrei produzieren und können sich keinerlei GVO-Verunreinigungen leisten. Nötig wären Mindest-abstände bis zu einigen Kilometern zu Nachbaräckern mit gleichen Kulturen, gentechnikfreie Schutzzonen mit mehr als 100 Quadratkilometer Fläche für Saatgutproduzenten, eine strikte Trennung der Warenströme sowie strenge Vorgaben für die Reinigung von Fahrzeugen, Lagern oder Mühlen. Entweder wird gentechnikfreie Landwirtschaft wirkungsvoll geschützt: Dann wird der Anbau von Gen-Pflanzen wirtschaftlich uninteressant. Oder die Auflagen sind so locker, dass Gen-Pflanzen ein rentables Geschäft werden können: Das wäre das Aus für eine gentechnikfreie Landwirtschaft.

Gentechnikfrei einkaufen

Wo ist Gentechnik drin?

Besonders Gen-Soja ist in vielen Lebensmittelzutaten und auch in Deutschland in verschiedensten Produkten eingesetzt: Pflanzliches Öl, pflanzliches Eiweiß, Lecithin, Vitamin E. Maisstärke kann aus Gen-Maiskörnern stammen. Greenpeace schätzt, dass 80 % aller Schweine aus Massentierhaltung mit Gen-Soja gefüttert werden. Zusatzstoffe wie Vitamine, Aromen oder Enzyme werden oft mit Hilfe gentechnisch manipulierter Mikroorganismen produziert.

Wie kann ich Gentechnik erkennen?

Ab dem 18.April 2004 gilt Eu-weit eine neue Kennzeichnungsregelung: Nun müssen alle Zutaten aufgeführt werden, die aus Gen-Pflanzen hergestellt wurden, auch wenn die GVO nicht mehr nachweisbar sind. Jedoch: Produkte von Tieren, die mit Gen-Tierfutter aufgezogen wurden, müssen nicht gekennzeichnet werden, ebenso wenig Zusatzstoffe, Aromen und Enzyme, die aus genmanipulierten Mikroor-ganismen hergestellt wurden. Erlaubt ist – ohne Kennzeichnung – eine Verunreinigung mit GVO bis 0,9 %. Untersuchungen der Lebensmittelbehörden haben gezeigt, dass etwa 10 % der in Frage kom-menden Lebensmittel solche Verunreinigungen aufwiesen. Wird der Anbau in Europa genehmigt, steigt die Gefahr solcher Verunreinigungen drastisch und schnell an. Der Einsatz von Gentechnik in Bio-Lebensmitteln ist von der EU-Ökoverordnung ausnahmslos verboten. Das gilt auch für die wenigen erlaubten Zusatz- und Hilfsstoffe. Bio-Lebensmittel bieten daher die größtmögliche Sicherheit vor Gen-food.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat einen Einkaufsführer herausgegeben und listet darin für 450 Firmen und Marken auf, ob diese Zutaten oder Futtermittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen einsetzen oder nicht. Die Broschüre ist Teil einer seit Jahren laufenden Kampagne, die Druck auf die Konzerne ausüben und ihnen klarmachen soll, dass die Verbraucher kein Genfood wollen. Den Ein-kaufsratgeber gibt es kostenlos bei Greenpeace und in Reformhäusern und Bioläden.

Politik: Viele Davids gegen Goliath

Bei der Auseinandersetzung um Genfood in Europa geht es um viel Geld. Die Karten sind Ungleich verteilt: Einige große Konzerne mit vielen Unterstützern in Behörden und Parlamenten gegen die große Mehrheit der Verbraucher. Auf rund 60 Millionen Hektar werden weltweit Gen-Pflanzen angebaut. Der größte Teil des Saatguts – und die dazu passenden Pestizide – stammen von nur fünf Konzernen: Monsanto, Syngenta, Bayer, Dupont und Dow. Bisher war Genfood für die Konzerne noch nicht das große Geschäft. Insgesamt geben die Gentechnik-Konzerne mit 4,4 Milliarden Dollar jährlich mehr Geld für die Entwicklung aus, als sie mit ihrem Gen-Saatgut überhaupt einnehmen. Eine solche Geschäftspolitik macht nur Sinn, wenn man darauf baut, in kurzer Zeit den Weltmarkt zu beherrschen.

Gentechnikkonzerne und ihre Politiker

Im Kampf um “Grüne Gentechnik Ja oder Nein” ist das weitgehend noch gentechnikfreie Europa wichtig. Im Mai 2003 haben die USA bei der Welthandelsorganisation WTO gegen die EU geklagt, um den Markt in Europa für US-Genfood zu öffnen. Rund 300 Mio. Dollar jährlich gingen US-Firmen durch die ablehnende Haltung der EU verloren, argumentieren die USA. Für die WTO gelten Umwelt- und Ge-sundheitsargumente gegen Genfood als zu beseitigende Handelshindernisse. Auch beim Versuch, Gen-Pflanzen in Entwicklungsländern zu verbreiten, hilft den Saatgut-Konzernen die US-Regierung, die afrikanischen Staaten unverkäuflichen Gen-Mais als Nahrungsmittelhilfe unterschiebt. Die gegenseitige Sympathie ist erklärlich: US-Landwirtschaftsministerin Ann Veneman saß zuvor im Aufsichtsrat von Calgene, der Firma, die einst die Anti-Matsch-Tomate entwickelte und inzwischen zu Monsanto gehört. Das ganze US-Landwirtschaftsministerium sei voll von Ex-Angestellten der BiotechIndustrie. Unter-stützung für die Gen-Konzerne kommt auch von der Landwirtschaftsabteilung der Weltbank, die personell eng mit der Lobby der Saatgut-Konzerne verflochten ist, meldete die unabhängige Nachrichten-agentur IPS.

Einkaufen ist Politik!

Die Auseinandersetzung um Genfood in Europa hat gezeigt, wie mächtig die Verbraucher sind, wenn sie bewusst einkaufen. Die großen Handels- und Lebensmittelkonzerne in Europa stehen generell der grünen Gentechnik positiv gegenüber, ein Großteil der Politiker in der EU-Kommission und den Mitgliedsstaaten zählt zu den Befürwortern der Gentechnik. Doch sie wissen, dass ein Produkt mit gekenn-zeichneten Gentech-Zutaten im Regal liegen bleibt. So erging es 1998 dem mit großem PR-Aufwand auf den Markt gebrachten Gen-Knabberriegel “Butterfinger” von Nestle. Auch das Einkaufsnetz von Greenpeace hat viel damit erreicht, den Markt transparent zu machen. Eine andere, ebenso wichtige Art der Politik ist die gemeinsame Aktion, mit der der BUND und die Initiative ATTAC, der Globalisie-rungsgegner, Druck auf die Welthandelsorganisation WTO machen.

Infos unter www.genfoodneindanke.de (hier gibt es auch Anti-Gentechnik-Buttons und Aufkleber) und  www.keine-gentechnik.de

Quelle: Schrot & Korn 4/2004  Webseite: https://schrotundkorn.de/

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